Christine Georg, Schulleiterin

Die Talentewerkstatt. Ein Gewinn für die SchuB-Schüler der Philipp-Reis-Schule Gelnhausen

Seit dem Schuljahr 2009/10 besuchen die SchuB-Klassen (Lernen in Schule und Betrieb) der Philipp-Reis-Schule Gelnhausen regelmäßig nach der Orientierungsphase die TalenteWerkstatt der GfW in Hanau. Seitdem ist dieses bewährte Projekt fester Bestandteil unseres schulinternen Berufsorientierungskonzeptes und des Schulprogramms. Die Talentewerkstatt ist für unsere Schüler ein wichtiger Schnittpunkt zwischen Schule und Betrieb. Nach einer Orientierungsphase zu Beginn des Schuljahres zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Entwicklung der Klassengemeinschaft in der Schule sind die zwei Wochen Talentewerkstatt das Bindeglied zu den folgenden zwei wöchentlichen Praxistagen pro Woche in den nächsten zwei Jahren. Zum ersten Mal müssen sich unsere Schüler über zwei Wochen an einem ganzen Arbeitstag den Anforderungen der Arbeitswelt stellen. Abseits vom Lernen in der Schule mit  theoretischer Information und Beratung erhalten sie die Möglichkeit, eine angemessene Anzahl von Berufsfeldern kennen zu lernen und sich praktisch auszuprobieren.

Es ist wie im realen Arbeitsleben eines Pendlers. Die Klasse trifft sich kurz vor 7.00 Uhr am Bahnhof in Gelnhausen – viele Schüler haben schon eine längere Anreise hinter sich – und die Klasse fährt mit dem Regionalexpress und einem weiteren Regionalzug zum Nordbahnhof in Hanau. Es folgen 5 Minuten Fußweg und der „Arbeitsplatz“ ist erreicht. Um 17.00 Uhr geht es dann auf dem gleichen Weg zurück. In der Mittagspause gibt es in der Kantine der Telekom ein warmes Mittagessen.

Metallbearbeitung
Metallbearbeitung

Die Schüler erhalten in den angebotenen Berufsfeldern nicht nur einen Einblick, sondern sie lernen an einem ausgeklügelten Projekt aufeinanderfolgende Arbeitsgänge kennen. Im Berufsfeld Metall lernen sie nach einer kurzen Einführung Anreißen, Kernen, Bohren an der Standbohrmaschine, Senken, Gewindedrehen, Feilen, Schlichten und Fügen. Am Ende der zwei Tage haben sie ein fertiges Werkstück in der Hand, das dann einige Tage später mit dem Projektergebnis des Berufsfeldes Elektrotechnik ein für Schüler nutzbares Produkt ergibt, das stolz zu Hause den Eltern gezeigt werden kann. Dies erleichtert uns als Schule, diesen zeitlichen Aufwand gegenüber den Eltern zu vertreten und es hilft uns alle Eltern – auch die Eltern mit Migrationshintergrund - in das Boot „Berufsorientierung“ zu holen.

Teamarbeit
Teamarbeit

Geschlechtsspezifische Vorurteile werden im Rahmen der Talentewerkstatt spielerisch aufgebrochen. Die Mädchen probieren sich nach kurzen Blockaden im Berufsfeld Metall an der Standbohrmaschine aus, haben mit langen Fingernägeln anfangs größere Probleme die Feile fachgerecht zu führen und löten im Berufsfeld Elektrotechnik trotz der unangenehmen Gerüche nach kurzer Zeit Widerstände und Transistoren auf eine Platine und vergessen schnell die leicht verbrannten Finger. Die Jungs lackieren sich im Berufsfeld Kosmetik die Fingernägel und unsere Jungs mit Migrationshintergrund lassen sich nach ausgiebigen Protesten mit viel Spaß eine Gurkenmaske auflegen.

Gurkenmaske
Gurkenmaske

Unseren Schülern gefällt die Talentewerkstatt. Es werden von ihnen andere Kompetenzen gefordert, als in der Schule. Leistungsschwache Schüler in der Schule können hier mit ihren praktischen Kompetenzen auftrumpfen. Andere Schüler genießen es, neue und unbekannte Aufgaben aus der Arbeitswelt zu lösen. Die Hierarchie des Schullebens wird aufgegeben, denn am linken Schraubstock steht der Lehrer und am rechten Schraubstock steht die Sozialpädagogin und beide haben die gleichen Probleme zum ersten Mal zu lösen, wie der Schüler. Das ergibt eine ganz andere Kommunikationsebene, als in der Schule. Die Situation eröffnet eine andere Art von Beziehung zwischen Schüler und Lehrer. Hervorzuheben sind aber auch die fachlichen und geduldigen Praxisanleiter des Bildungsträger und der kooperierenden Partner, ohne die das Projekt nicht diese Effizienz hätte.

Die Präsentation der Ergebnisse der beiden Wochen am letzten Tag erfordert von den Schülern viel Überwindung. Sie ist aber eine gute Vorbereitung für die Projektprüfung im Rahmen der Hauptschulabschlussprüfung, die ein Jahr später ansteht. Die differenzierten und individuellen Ergebnisse des Zertifikats fließen an unserer Schule in die persönliche Berufswegeplanung ein, die wir neben den Ergebnissen aus anderen Kompetenzfeststellungsverfahren mit Lehrern, Sozialpädagogen und Berufseinstiegsbegleitern im Berufsorientierungsprozess systematisch nutzen.


Christine Georg

Schulleiterin

Wiebke Bluhm

Sozialpädagogin

Edwin Herbert

Klassenlehrer SchuB

 


Unsere Hotline für Schulen und Lehrer: 

s.goy@gfw-hu-of.de